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01.03.2017

Frauen bewegen, sich politisch zu engagieren

Die Welt mit den Augen von Frauen sehen

Frauen - Politik

Das Bild zeigt die Politikerinnen im Kleinen Sitzungssaal des Landratsamts, zusammen mit Claudia Hauner, der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises, die das Treffen des Arbeitskreises moderierte.

Diese Bilanz der Vereinten Nationen kann eigentlich auch keinem Mann gefallen: Frauen sind die Hälfte der Menschen, leisten zwei Drittel der Arbeit, verdienen ein Zehntel des Einkommens und besitzen ein Hundertstel des Eigentums dieser Welt. Der Kreis von Politikerinnen aller Couleur und aus allen Teilen des Landkreises unter Leitung der Bürgermeisterinnen Katharina Rottenwallner und Birgit Gatz wird nicht alle Missstände dieser Welt beheben können: Aber sie wollen einiges hierzulande in eine gute Richtung voranbringen, indem sie möglichst viele Frauen dazu motivieren, sich politisch zu engagieren. Bei einem Treffen im Landratsamt haben sie dafür eine gemeinsame Strategie festgelegt.

Rechtzeitig, nämlich in gebührendem zeitlichem Abstand zu den nächsten Landtags- und Kommunalwahlen und Wahlkämpfen, ergreifen die politisch aktiven Frauen die Initiative – unter ihnen viele Gemeinderätinnen, Kreisrätinnen, Bürgermeisterinnen und Landtags-Abgeordnete. Auf den Wahllisten sollen beim nächsten Mal möglichst viele Frauen stehen – und auch möglichst viele von ihnen sollen in die Kommunalparlamente gewählt werden, lautet das Kernziel der überparteilichen Frauenrunde.

Unter der Moderation von Claudia Hauner, Gleichstellungsbeauftragte am Landratsamt Landshut, diskutierten die Politikerinnen im kleinen Sitzungssaal der Behörde rund eineinhalb Stunden lang engagiert über erfolgversprechende Wege zu diesem Ziel: Es ging vor allem auch um die Argumente, mit denen man insbesondere junge Frauen ansprechen will.

Wie praktisch auf allen Gebieten braucht der Landkreis Landshut, der eine stellvertretende Landrätin hat (Christel Engelhard, SPD), auch in punkto Frauen an der Spitze von Gemeinden keinen landesweiten Vergleich zu scheuen: In acht von 35 Landkreis-Gemeinden haben 1. Bürgermeisterinnen das Heft in der Hand. Von West nach Ost sind dies die Gemeinden Obersüßbach (Helga Kindsmüller, Grüne), Hohenthann (Andrea Weiß, CSU), Tiefenbach (Birgit Gatz, Neues Bürgerforum), Altfraunhofen (Katharina Rottenwallner, CSU), Baierbach (Luise Hausberger, CSU/Freie Wählergemeinschaft), Adlkofen (Rosa-Maria Maurer, „Demokratie leben"), Wurmsham (Maria Neudecker, Grüne/Wählergemeinschaft) und Bodenkirchen (Monika Maier, CSU/Freie Wählergemeinschaft).

Sechs MdL – drei Frauen!
Die Marktgemeinden Ergolding und Ergoldsbach haben mit Annette Kiermaier (CSU) und Heike Berger (Freie Wähler) 3. Bürgermeisterinnen. Ja, und in Rottenburg ist der 1. Bürgermeister Alfred Holzner rein rechnerisch in der Bürgermeister-Riege in die Minderheit geraten: Ihm stehen mit Mathilde Haindl (Christliche Wähler Stadt und Umland, CWSU) und Angelika Aiwanger (Freie Wähler) zwei in Politik und Gesellschaft engagierte Frauen zur Seite.

Nimmt man Stadt und Landkreis Landshut als das, was sie sind, nämlich als eine gemeinsame Region, und zählt man zu den beiden Landtags-Abgeordneten Ruth Müller (Pfeffenhausen, SPD) und Rosi Steinberger (Grüne) die Landshuter MdL Jutta Widmann (Freie Wähler) hinzu, kommt man zu einem Ergebnis, das in mehrfacher Hinsicht wohl über Bayern hinaus einmalig sein dürfte: Von den sechs (!) Personen, die derzeit die Region Landshut im Landesparlament vertreten, sind 50 Prozent weiblich.

Aber dennoch sind Frauen in den politischen Gremien, Parteien und Wählergemeinschaften auch in der Region Landshut weit unterrepräsentiert. Im Landkreis Landshut gibt es gar noch eine Gemeinde, in der nur Männer im Rat sitzen, raunte es einmal durch die Frauenrunde im kleinen Sitzungssaal; der Name der Gemeinde wurde freilich schamhaft verschwiegen.

Botschaft an Frau bringen
Am Beginn ihrer Beratungen erhielten die Politikerinnen erst einmal qualifizierte Unterstützung von männlicher Seite: Uwe Boysen, Marketingleiter des Regional-Fernsehsenders Isar-TV, legte den Frauen ein überzeugendes Konzept für Fernsehspots und redaktionelle Beiträge vor. Mit ihnen soll die Botschaft unter die gut 150.000 Zuschauer von Isar-TV gebracht werden, dass Politik alle angeht und Frauen etwas so Wichtiges nicht allein den – vermeintlichen – Herren der Schöpfung überlassen sollten.

„Wir können etwas bewegen“ – unter diesem Motto und anhand von Beispielen von Frauen, die in der Politik erfolgreich sind, wollen Isar-TV und die Politikerinnen über alle Partei- und sonstigen Grenzen hinweg um Mitstreiterinnen werben. Es solle den Frauen, speziell auch jungen Frauen, deutlich gemacht werden, dass Abstinenz in politischen Dingen keineswegs bedeutet, dass man nicht betroffen ist von dem, was so entschieden wird. Kreisrätin Christine Huber (ÖDP) brachte es auf den Punkt: „Dann entscheiden eben andere für und über dich“, müsse man Politik-Ignorantinnen klarmachen.

Der weibliche Blickwinkel
Um diese Nachricht im besten Wortsinn – Information, nach der man sich richten kann – unter die weibliche Hälfte der Bürgerschaft zu bringen, wollen die politisch aktiven Frauen mit allen regionalen Medien so erfolgreich wie möglich zusammenarbeiten. Und auch an überregionale Medien wolle man herantreten sowie, auf ausdrückliche Anregung von MdL Ruth Müller (SPD) und Kreisrätin Petra Seifert (Grüne), auch an alle Medien, die demokratischen Parteien nahestehen oder von ihnen herausgegeben werden. Zudem wollen sie ein ansprechendes Flugblatt unters Volk bringen.

Eingehend tauschten sich die Politikerinnen darüber aus, wie man Frauen dazu motivieren kann, sich zusätzlich zu ihren Verpflichtungen in Beruf und Familie der Politik zu widmen. Man müsse ihnen zum Beispiel klarmachen, dass „man in der Kommunalpolitik ganz schnell in Gremien kommt, in denen man mitgestalten und mitbestimmen kann“, setzte zum Beispiel Bürgermeisterin Luise Hausberger einen deutlichen Akzent.

Dass es nötig und von Vorteil ist, wenn auch Frauen ein Wort mitreden und ihre soziale Kompetenz, ihre Ideen, ihre Erlebniswelt, ihre Erfahrungshorizonte, kurz: ihre Sicht der Dinge miteinbringen – auch in dieser Frage waren sich die versammelten aktiven Frauen völlig einig: Es tue bereits jedem Bebauungsplan gut, wenn er mit den Augen und aus den Perspektiven von Frauen begutachtet wird.

(Elmar Stöttner, Pressestelle Landkreis Landshut)