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Vom Stammesherzogtum zum Freistaat

Das Gebiet des heutigen Landkreises Landshut in der bayerischen Geschichte

Für den Historiker fassbar wird das Gebiet des heutigen Landkreises Landshut erstmals im frühen Mittelalter. Die ältesten erhaltenen schriftlichen Aufzeichnungen, worin Orte aus dem heutigen Landkreis erwähnt werden, stammen aus dem 8. Jahrhundert. Sechs Orte aus dem Landkreis Landshut wurden in diesen Urkunden genannt, was jedoch nicht automatisch bedeutet, dass diese auch die ältesten Orte der Umgebung sind. Als „feldui” wurde Velden erstmals im Jahre 773 erwähnt. Am 13. November 773 notierte sich der Kanzleischreiber des Freisinger Domklosters, dass der Priester Sigo sein Landgut der Bischofskirche von Freising vermacht hatte.

Dieses Gut lag am Rande eines Gebietes, das den Namen „feldui“ hatte. Im selben Jahr wird auch das kleine Dorf „Prama“ (Pram in der Gemeinde Bayerbach) in einer Schenkungsurkunde erstmals erwähnt. Schon über ein halbes Jahrhundert früher, nämlich im Jahre 720, wurde „Tandorf“ (Tondorf) in der Gemeinde Bruckberg als ein Gut des Klosters Tegernsee genannt. In der zweiten Jahrhunderthälfte folgten Buch 760, Kleinvelden 788, Langenhettenbach 791 und Untervilslern zwischen 783 und 793.

Die politische Führung Bayerns lag in dieser Zeit beim Herzog, dem Klerus und dem Hochadel. Neben der Herzogsdynastie der Agilolfinger waren dies die fünf Adelssippen der Huosi, Drozza, Fagana, Hahilinga und Anniona. Die Herkunft des Ortsnamens von Jesendorf in der Gemeinde Kröning wird auf das Adelsgeschlecht der Huosi als Gründer des Ortes zurückgeführt. Die Burg  Roning, später bekannt als Sitz der Grafen von Roning-Rottenburg, wird in einer Urkunde aus dem Jahre 760 als Besitz der Adeligen Hahilinga bezeichnet.

Von den Agilolfingern zu den Wittelsbachern

In mehreren Missionswellen versuchte das katholische Herzogsgeschlecht die heidnischen Untertanen zu christianisieren. Diese Missionierung ging meist von Mönchen aus, die von den drei Bischofssitzen Regensburg, Freising und Salzburg aus entsandt wurden. In der Gegend der heutigen Münchnerau (Mönche in der Au) ließen sich Benediktinermönche aus Regensburg nieder. Aus der Mönchsseelsorge entwickelte sich um 750 die Urpfarrei Eugenbach, die annähernd bis Furth, Neuhausen und Oberglaim reichte.

Vermutlich nach 750 gründeten Salzburger Benediktiner das Urkloster Münster bei Wurmsham. Ausgehend von diesem Kloster entstanden mönchische Niederlassungen mit dem Namen Zell, wie Pauluszell, Hanszell, oder Georgenzell. Unter dem gleichen Namen bestand ab etwa 760 auch im nördlichen Landkreis bei Rottenburg ein Urkloster, das von Benediktinermönchen des Klosters Emmeram in Regensburg gegründet worden war.

Ein weiteres Urkloster soll in Martinszell bei Obersüßbach bestanden haben. Von den drei Klöstern verlieren sich im 10. Jahrhundert jegliche Spuren. Es wird vermutet, dass die Anlagen zwischen 900 und 955 während der Einfälle ungarischer Reiterhorden untergegangen seien. Vielleicht aber zerstreute sich die Mönchsgemeinschaft auch nur, um neue Pfarreien in der Umgebung seelsorgerisch zu betreuen. Der Vorgängerbau des heutigen Ahamer Schlosses soll im Zuge der Ungarnabwehr als Wasserburg errichtet worden sein.

Herzogsgut wird Königsgut

Mit der Absetzung des Bayernherzogs Tassilo III. unter dem Vorwand der Fahnenflucht gingen 788 sämtliche herzoglichen Güter an den Frankenkönig Karl den Großen über. Auch im Gebiet des Landkreises befanden sich solche Gutshöfe. Im Königsgut Ergolding fanden in den Jahren 822 und 824 Gerichts- und Landtage statt. König Heinrich II. übereignete Ergolding am 2. November 1007 seinem neu gegründeten Bistum Bamberg. Mettenbach war schon 833 dem von der Königin Hemma gestifteten Kloster Obermünster in Regensburg geschenkt worden. Weitere Königsgüter waren Velden, Baierbach, Oberotterbach und Schalkham.

1180 erhielt Otto I. von Wittelsbach für seine Treue zu Kaiser Friedrich Barbarossa die Herzogswürde. Ottos Sohn, Herzog Ludwig I., ließ eine unterhalb der Straßburg bei Frauenberg gelegene Isarbrücke des Bischofs von Regensburg zerstören und flussaufwärts auf seinem Besitz wieder aufbauen. Dort gründete er 1204 die Stadt Landshut und baute ab 1210 die Burg Trausnitz zu seiner Residenz aus. Konradin, der letzte aus dem Geschlecht der Hohenstaufen, wurde 1252 in der Burg Wolfsstein bei Niederaichbach geboren und wuchs hier auf, denn seine Mutter war eine Wittelsbacherin. Mit 16 Jahren zog er mit einem Heer nach Italien, um sich das Erbe seines Großvaters, Kaiser Friedrich II., zu sichern. Nach verlorener Schlacht und missglückter Flucht köpften ihn seine Feinde in Neapel.

Die Wittelsbacher-Herzöge brachten im 13. Jahrhundert nach und nach den Besitz der Grafengeschlechter in ihre Gewalt. 1234, nach dem Tod Chadalohs, des Grafen von Kirchberg (bei Andermannsdorf in der Gemeinde Hohenthann), zog Herzog Otto II. der Erlauchte kraft seines Heimfallrechtes das Lehen ein, belehnte aber keinen Adeligen, sondern setzte einen Pfleger (herzoglicher Beamter) ein. Die Burgen Rottenburg und Moosburg kaufte der in Niederbayern regierende Herzog Heinrich XIII. 1284 von Ulrich von Stein, dem Erben der Moosburger Grafen.

Getrennt und wieder vereint: Die Zeit der Teilherzogtümer

1255 besiegelten die Herzöge Ludwig II. und Heinrich XIII. die erste Landesteilung, der weitere folgen sollten. Kaiser Ludwig der Bayer vereinte Ober- und Niederbayern unter seiner Herrschaft, aber seine Söhne teilten die Territorien erneut. 1392 bestanden in Altbayern  vier Herzogtümer mit den Hauptstädten München, Landshut, Straubing und Ingolstadt.

Das Gebiet des heutigen Landkreises Landshut gehörte immer zum Landshuter Teilherzogtum, nur der Bezirk der ehemaligen Grafschaft Kirchberg wechselte bei jeder Teilung die Zugehörigkeit. Ursprünglich dem niederbayerischen Herzog, Heinrich XIII., in Landshut zugewiesen, kam es nach der zweiten Teilung 1349 zum neu geschaffenen Straubinger Teilherzogtum. Bei der dritten Teilung 1392 wurde das Pflegegericht dem Herzogtum Bayern-Ingolstadt zugeschlagen, bis es nach dem Aussterben dieser Linie wieder an das Herzogtum Bayern-Landshut fiel.

Nach dem Tod Herzog Georgs des Reichen vereinte der Münchner Herzog Albrecht IV. der Weise das Land unter seiner Herrschaft. Diese Einigung war jedoch nur gewaltsam möglich, denn abweichend von den zwischen den Wittelsbachischen Linien bestehenden Erbverträgen hatte Georg seine Tochter Elisabeth und seinen Schwiegersohn Ruprecht von der Pfalz (ebenfalls aus dem Hause Wittelsbach) als Erben eingesetzt.

Als Herzog Georg 1503 starb, bildeten sich zwei Bündnisse: Ruprecht, dessen Pfälzer Familie und der niederbayerische Adel auf der einen Seite gegen Albrecht IV., der mit Kaiser Maximilian verbündet und Mitglied des schwäbischen Bundes war. In den Wirren des Landshuter Erbfolgekrieges brannte 1504 der Innere Markt von Vilsbiburg (heutiger Stadtplatz) ab. Lediglich 14 Häuser und das Spital überstanden die Feuersbrunst. Die Ringmauer fiel in Schutt und Asche. Auch Altheim wurde von den Truppen Herzog Albrechts IV. von Bayern-München niedergebrannt.

In Albrechts Heer, das Landshut belagerte, befand sich ein junger Ritter, der 20 Jahre später einer der Anführer im Bauernaufstand werden sollte. Dem wegen seiner eisernen Handprothese berühmten schwäbischen Ritter Götz von Berlichingen riss eine Kanonenkugel auf den Altdorfer Wiesen die Hand ab. Im Kölner Schiedsspruch wurde Herzog Albrecht IV. am 30. Juli 1505 das Herzogtum Bayern-Landshut zugesprochen. Für Ottheinrich und Philipp, die beiden minderjährigen Söhne von Herzogin Elisabeth und Pfalzgraf Ruprecht, bildete man  um Neuburg an der Donau ein kleines Herzogtum: Die junge Pfalz.

Landshuts Funktion als Residenzstadt hatte sich auf das Umland positiv ausgewirkt. Seligenthal und weitere Klöster wurden gegründet. Herzog Heinrich der Reiche stiftete die Kirche in Jenkofen, um auch bei der Jagd den Gottesdienst nicht zu versäumen. Durch eine Spende des herzoglichen Hofes wurde 1456 der Erweiterungsbau der Pfarrkirche von Altheim vollendet. Viele Kirchen im Umkreis errichtete man im Stil der Landshuter Gotik nach dem Vorbild der Kirchen Sankt Jodok und Sankt Martin.

Das konfessionelle Zeitalter: Krieg im Namen des Glaubens

Mit den 95 Thesen Luthers begann ein neues Zeitalter, das von Glaubenskriegen geprägt wurde. Auf dem Reichstag in Augsburg fand man 1555 zu einer Einigung nach der Formel „Cuius regio, eius religio“ (Wessen Herrschaft, dessen Konfession). Allen Andersgläubigen blieb von da an nur die Auswanderung. Im Jahre 1597 kaufte Wolf Dietrich von Vieregg Schloss und Hofmark Gerzen. Die katholische Adelsfamilie war wegen ihres Glaubens aus dem protestantischen Mecklenburg nach Bayern gezogen.

Aber auch der umgekehrte Fall kam vor: Während des Dreißigjährigen Krieges kämpfte die protestantische Adelsfamilie der Maroltinger auf Niederhornbach an der Seite Schwedens. Ihren Besitz zog das Kloster Ebersberg ein. Nachdem der Adelssitz 1648 niedergebrannt worden war, wurde er lediglich als Amtsgebäude für Verwaltungsbeamte des Klosters wieder aufgebaut.

Niederhornbach war nicht der einzige Ort im Landkreis, der im Dreißigjährigen Krieg in Flammen aufging. Schlimmer als das Niederbrennen der Häuser waren die Gewalttaten, Plünderungen und die Pest, von der die geschundene Bevölkerung scharenweise dahingerafft wurde. 1632, bei ihrem ersten Zug durch Bayern, hinterließen die Schweden eine Brandruine, wo sich einst die Burg von Rottenburg erhob. Pfeffenhausen wurde am 2. Mai 1632 und erneut 1648 eingeäschert. 655 Tote zählte man in Pfeffenhausen bei der Pestepidemie, die von Mai 1632 bis Dezember 1634 grassierte. Der Edelmannssitz in Mirskofen und das Schloss Bonbruck gingen in Flammen auf.

Geisenhausen wurde sogar dreimal niedergebrannt – 1635, 1640 und 1648. Auch Vilsbiburg loderte 1635 lichterloh. Velden wurde vom 19. bis 22. Juni 1633 geplündert. Dieses Schicksal traf die Hofmark Buch sogar in drei aufeinander folgenden Jahren. Dabei brannten acht Höfe ab, neun Einwohner wurden erschossen, und die Kirche ausgeraubt. Auch Neufahrn wurde geplündert. Die Bevölkerung der Umgebung hatte sich 1633 beim Anrücken der Schweden ins Schloss geflüchtet. Als die Soldaten nicht wie erhofft weiter zogen, sondern Anstalten machten, das Schloss zu belagern, erschossen sie den Pfarrer von Asenkofen, als er zu Übergabeverhandlungen die Pforte öffnete.

In Münster und Osnabrück kamen die Kriegsparteien 1648 endlich zu einer Einigung. Das Leid fand aber auch  nach dem Westfälischen Friedensschluss  kein Ende, denn unter den ausgezehrten Menschen wütete die Pest, noch lange nachdem die Waffen schwiegen. In Geisenhausen starben 45 Menschen und in Vilsbiburg zählte man 1649 sogar 582 Tote.

Eine langwierige Aufbauphase schloss sich an, und es dauerte viele Jahrzehnte, bis Bevölkerungsverluste und Schäden überwunden waren. Noch 1680 stand von der Kirche in Schmatzhausen lediglich die von den Schweden hinterlassene Brandruine. Die schweren Zerstörungen der Kirche von Obermünchen wurden erst bis zur Jahrhundertwende beseitigt und die Kirche im neuen Barockstil wieder aufgebaut. Kirchberg in der Gemeinde Hohenthann war Amtssitz eines Pflegegerichts. 1632 hatten die Schweden die dortige Burg beschossen. Die Brandruine wurde erst spät und nur notdürftig wieder aufgebaut. Der Pfleger wohnte inzwischen in Geiselhöring.

Das 18. Jahrhundert: Großmachtträume zerplatzen

Während Kurfürst Ferdinand Maria (1654-1679) den Wiederaufbau durch seine Friedenspolitik förderte, stürzten die Großmachtträume seiner Nachfolger Max II. Emanuel (1679-1726) und Karl Albrecht (1726-1745, seit 1742 Kaiser Karl VII.) Bayern in zahlreiche Kriege. Als sich im Winter 1705/06 die Bauern gegen die österreichische Besatzungsmacht erhoben, schlugen die österreichischen Truppen den Aufstand unerbittlich nieder. Ein Gefecht fand am 13. November 1705 bei Vilsbiburg statt, wobei rund 150 Aufständische Bauern fielen.

Auch im Österreichischen Erbfolgekrieg (1741-1745) wurde Bayern mehrmals von den kaiserlichen Truppen besetzt und so wundert es nicht, dass ein enormer Schuldenberg auf dem Land lastete, denn trotz aller Kriege pflegten die Wittelsbacher eine prächtige Hofhaltung.

Die Französische Revolution und der Aufstieg des ehrgeizigen Napoleon Bonaparte zum Kaiser der Franzosen bildeten den Auftakt zu einem Kampf der Großmächte um die Vorherrschaft in Europa. Oft wurde dabei Bayern zum Schauplatz der Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und seinen Gegnern. 1809 beschossen österreichische Truppen Pfettrach von den Gstaudacher Höhen aus, wobei das Schloss stark beschädigt wurde und 13 Häuser abbrannten.

Kriege und Reformen im Zeitalter Napoleons

Nachdem die Österreicher ihre bayerischen Verbündeten zweimal dem Feind preisgegeben hatten, wechselte Max IV. Joseph (1799-1825), beraten von seinem umsichtigen Staatsminister Maximilian Joseph Graf von Montgelas (1799-1817), im Jahre 1805 auf die Seite Frankreichs. Als Belohnung gewährte der siegreiche Napoleon seinem  neuen Bündnispartner Bayern am 1. Januar 1806 die Erhebung zum souveränen Königreich und territoriale Zuwächse.
Um die deutschen Fürsten für Gebietsverluste links des Rheins zu entschädigen, waren schon 1803 die Territorien der Fürstbischöfe und Fürstäbte aufgelöst worden (Säkularisierung). Nun ereilte dieses Schicksal auch die reichsunmittelbaren Herrschaften der Reichsritterschaft (Mediatisierung), die den mit Frankreich verbündeten Rheinbund-Staaten einverleibt wurden.

Am 24. Dezember 1805  traf ein bayerischer Kommissar aus München in Neufraunhofen ein, verlas ein Patent, und ließ sodann den kaiserlichen Doppeladler am Gerichtsgebäude durch das bayerische Rautenwappen ersetzen. Damit fand auch ein über 250 Jahre dauernder Rechtsstreit vor dem Reichskammergericht sein Ende, denn die bayerischen Kurfürsten hatten Fraunhofens Status als Reichsherrschaft immer bestritten.

Auf dem Augsburger Reichstag von 1555 hatte ein erzürnter Herzog Albrecht V. sogar den Gesandten von Fraunhofen aus dem Saal werfen lassen, da die Herren von Fraunhofen seiner Ansicht nach dem bayerischen Herzog unterstanden und demnach nichts auf dem Reichstag zu suchen hatten. Die Reichsherrschaft Fraunhofen erstreckte sich zwischen Kleiner und Großer Vils und umfasste Altfraunhofen, Wörnstorf, Haselbach, Hermannskirchen, Vilslern, Hinterskirchen, Neufraunhofen, Baierbach und Steppach.

Trotz der Belastungen durch die bis zum Sturz Napoleons im Jahre 1815 andauernden Kriege modernisierte Montgelas den bayerischen Staat von Grund auf. In anderen deutschen Staaten wie Preußen und Österreich hatten schon seit der Mitte des 18. Jahrhunderts die fortschrittlichen Ideen der Aufklärung Einzug gehalten, während 1752 in Landshut einer der letzten Hexenprozesse stattfand. Die Geisenhausenerin Anna Amann, genannt die Geistnandl, war im gesamten Bezirk des Pflegegerichts Geisenhausen wegen des Vorwurfs der Hexerei gesucht worden. Nachdem man sie in Lichtenhaag gefangen genommen hatte, wurde sie schwer bewacht nach Landshut transportiert, wo ihr der Prozess gemacht wurde. Das Urteil lautete „Tod durch Enthauptung”. Den Leichnam der vermeintlichen Hexe verbrannte man.

Gegen solchen Aberglauben, aber auch gegen viele Bräuche der Volksfrömmigkeit, wie Bittgänge und Prozessionen, gingen die Reformer um Montgelas energisch vor. Außerdem wurden Verwaltung, Justiz, Bildungssystem, das Militär und das Medizinalwesen modernisiert. Montgelas baute die unter der Herrschaft von Kurfürst Max IV. Joseph vereinten wittelsbachischen Territorien zu einem Einheitsstaat nach französischem Vorbild aus. Möglich waren die Reformen trotz der hohen Kriegskosten durch die Säkularisierung von Kirchengut. Nach seinem Ausscheiden aus der Politik erwarb Graf Montgelas die Adelssitze Egglkofen (Landkreis Mühldorf am Inn), Gerzen und Aham, wo seine Nachfahren noch heute leben.

Das 19. Jahrhundert: Die Eisenbahn kommt

Während um die Mitte des 19. Jahrhunderts auch in den meisten Teilen Deutschlands die Industrialisierung einsetzte, blieb Bayern noch viele Jahrzehnte ein Agrarland.  Nicht die Königlich Bayerische Staatsbahn, sondern eine privat finanzierte Bahngesellschaft, die Königlich Privilegierte Bayerische Ostbahn Aktiengesellschaft schloss Niederbayern und die Oberpfalz an das internationale Eisenbahnnetz an.

Die Bahnlinie von München nach Landshut wurde am 31. Oktober 1858 eröffnet und dann über Neufahrn an die Donau und nach Regensburg weitergeführt. Die  Strecke nach Landau entstand 1880. Von 1881 bis 1883 wurde die Bahnlinie von Landshut über Geisenhausen und Vilsbiburg nach Neumarkt-Sankt Veit gebaut. Der Bau einer Lokalbahn von Dorfen nach Velden wurde trotz erheblicher Widerstände durchgesetzt. Nach zweijähriger Bauzeit übergab man die Bahnlinie am Heiligabend 1898 ihrer Bestimmung. Als letzte Strecke wurde die Bahnlinie von Landshut nach Rottenburg am 3. November 1900 eröffnet.

Wichtigste Gewerbezweige waren bis dahin die Ziegelherstellung und die Brauwirtschaft. Schon im Jahr 1000 hatte der Ort Neuhausen bei Pfeffenhausen Hopfen an das Kloster Sankt Emmeram in Regensburg geliefert. Im stadtnahen Kumhausen brannte man schon im 15. Jahrhundert Ziegel zum Bau der Martinskirche. Ab 1860 entstand in Ergoldsbach ein bedeutendes Dachziegelwerk und in Geisenhausen begann ab 1875 die Leder- und Schäftefabrik Dräxlmaier ihre Produktion.

Das Jahrhundert der Weltkriege

Im Ersten Weltkrieg (1914-1918) fielen zwar viele junge Männer aus dem Landkreis, aber die Heimat blieb von Kampfhandlungen unberührt. Bayerns erfolgreichster Jagdpilot stammte aus Rottenburg. Max Ritter von Müller fiel nach  39 Luftsiegen am 9. Januar 1918. Als König Ludwig III. 1818 abdankte und in München die Räterepublik ausgerufen wurde, besetzte eine Gruppe von hungernden Arbeitern und Soldaten das Postamt in Rottenburg. Außerdem ging das Gerücht um, das Kloster Oberroning solle geplündert werden. Auf dem Bahnhof in Vilsbiburg bauten einige Revolutionäre ein Maschinengewehr auf, zogen aber am nächsten Tag wieder ab.

Nach Hitlers Machtergreifung folgte die Gleichschaltung der staatlichen Organe. Bürgermeister und Gemeinderäte wurden durch Nationalsozialisten ersetzt oder zum Parteieintritt gedrängt. Die Orte im Landkreis blieben im Zweiten Weltkrieg (1939-1945) von alliierten Luftangriffen und auch von Kampfhandlungen am Boden weitgehend verschont. Als die amerikanischen Truppen im April 1945 von Regensburg her nach Süden vordrangen, gab es kaum nennenswerten Widerstand. Das nationalsozialistische Regime zog sich in die so genannte Alpenfestung zurück. Die Häftlinge der Konzentrationslager wurden in Gewaltmärschen nach Süden getrieben. Am 28. April 1945 zog eine Kolonne auf ihrem Weg nach Dachau durch Neufahrn.

Da 13 Männer den Anschluss an die Gruppe nicht halten konnten, entschloss sich Max Maurer, der Ortspolizist von Ergoldsbach, die Häftlinge bis zum Eintreffen der Amerikaner bei einer befreundeten Bäuerin in Prinkofen im Heustadel zu verstecken, damit sie nicht von der SS erschossen werden. Während die amerikanischen Truppen am folgenden Tag Ergoldsbach erreichten, endete rund 35 Kilometer südlich ein anderer Todesmarsch von KZ-Häftlingen. Der von Dingolfing über Vilsbiburg und Velden ziehende Transport löste sich auf, nachdem der Transportführer, ein SS-Mann, Selbstmord im Geisbergerholz bei Felizenzell begangen hatte. Auch durch Tiefenbach und Vilsheim marschierte ein Transport.

Nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich die Sozialstruktur der Bevölkerung grundlegend. Die neuen Grenzen im Osten bewirkten ab 1945 einen starken Zuzug von Vertriebenen, so dass sich beispielsweise die Bevölkerungszahl von Altdorf fast verdoppelte. Mit der zunehmenden Mechanisierung der Landwirtschaft sowie der Gründung und Ansiedlung von Industriebetrieben ab den 1950er Jahren verlor der Landkreis zusehends seinen Charakter als reines Agrargebiet. 

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